Dienstag, 4. Februar 2014

#008 GROßANGRIFF DER ZOMBIES

GROSSANGRIFF DER ZOMBIES 1980  





Am Anfang steht ein von Stelvio Ciprianis unheimlichen Synthieklängen begleiteter Rundflug über die graue Stadt voller Betonklötze, der den US-Titel „Nightmare City“ mehr als nur rechtfertigt. In diesem Moloch lebt der unerschrockene Reporter Dean Miller (Hugo Stiglitz, „Zombie Apocalypse“), der sich wegen eines Berichts am Flughafen herumtreibt. Seinem journalistischen Auge entgeht nicht die Panik der Sicherheitskräfte über eine unidentifizierte Militärmaschine, die ohne jede Vorwarnung landet. Als aus ihr bewaffnete und darüber hinaus unverwundbare Wissenschaftler heraus hüpfen, die sich in tödlicher Absicht auf alle Anwesenden stürzen, ist sogar der stoische Berichterstatter sprachlos. Mit allem was nach einer Waffe anmutet dezimiert die wilde Horde menschliches Leben, um ihren höchst unmenschlichen Durst nach Menschenblut stillen zu können! 

Radioactive-Men!
Sich des germanischen Titels von „Großangriff der Zombies“ vergegenwärtigend, dürfte der Zuschauer früh ernüchternd feststellen, dass er wieder einmal Opfer eines gewieften Täuschungsmanövers seitens der Marketingstrategie-Mafia wurde. Denn diese ´transsylvanischen Zombies´ haben mit den liebgewonnenen romero'esken Wiedergängern absolut nichts gemein, auch wenn das deutsche Kino Plakat es laut verspricht, dass es sich um den neuesten echten Zombie Film handelt. Kein Wunder aber, sind die Halb-Kannibalen doch immenser radioaktiver Strahlung ausgesetzt gewesen, die die Erythrozyten absterben ließ und das Verlangen nach lecker Menschenblut schärfte. Wie sie diese Verstrahlung überhaupt überleben konnten, ist genregemäß nicht weiter relevant. Fraglich erscheint, weshalb einige wenige Mutanten mit wirklich fürchterlichen Latexmasken gesegnet wurden, andere hingegen nur mit Teer in der Physiognomie abgespeist wurden. 

Autsch.
Nicht weniger grausam geht die Geschichte weiter. Noch einmal schwenkt die Kamera über den mit Leichen übersäten Flugplatz, um unangekündigt ins TV-Studio zu wechseln, wo wir Zeuge eines fast ebenbürtigen Schreckensszenarios werden. Denn es sind die 80er und im Fernsehen wird getanzt, Baby! Flachbrüstige Frauen, miese und dazu auch noch asynchrone Choreographien und obendrauf Kameramänner in weißen Kitteln würden wohl für einen eigenen Horrorfilm reichen. Die Spaßbremse Miller unterbricht die fetzige Tanznummer jedoch, um live über die Katastrophe am Flughafen zu berichten, was aber schon nach wenigen Sekunden vom Militär unterbunden wird. So wie es sich eben gehört! Daraufhin begibt sich Miller auf den Weg ins Krankenhaus, um seine Gemahlin Anna (Laura Trotter, „Miami Golem“), die dort als Ärztin praktiziert, noch vor der Apokalypse aufzugabeln. Nebenbei erleben wir auch die Geschichte von Major Warren Holmes (Francisco Rabal, „Dagon“), der ebenso darum bemüht ist seine Angetraute Sheila (Maria Rosaria Omaggio) in Sicherheit zu bringen. 

Auch wenn´s die Achtziger waren: Nein, Nein und Nein!

Umberto Lenzi ist ein filmischer Tausendsassa: Horror, Abenteuerfilm, Action und noch vieles mehr entstand binnen einer 30-jährigen Schaffensperiode unter seinen Namen, am bekanntesten ist er natürlich für seine Kannibalenschocker „Mondo Cannibale“, „Eaten Alive!“ und „Cannibal Ferox“. Viele erinnern sich aber auch gerne an seinen „Großangriff der Zombies“, auch wenn sein Beitrag zur unglaublich beliebten Zombiewelle der 80er Jahre, wie bereits erwähnt, eigentlich keinen richtigen Zombiefilm darstellt. Die Idee trug Lenzi schon Jahre mit sich herum, als Reflexion auf den Kalten Krieg und das dazu gehörige atomare Wettrüsten. Aber auch auf die immer größer werdende Entfremdung des Menschen und den Glauben an eine sichere weil technologisierte Zukunft. Alles schön und gut, sagten sich auch die Produzenten, nur fehlte ihnen die wichtigste Komponente: Zombies. Damit wäre auch die Frage geklärt, weshalb die irren Angreifer, die in Lenzis Vision noch von anderen Menschen nicht zu unterscheiden waren, lustige Masken bzw. lustiges Make-Up tragen mussten. 

Inglourios basterd!


Probleme gab es auch mit der Wahl des Hauptdarstellers, da Lenzi entweder Franco „Django“ Nero oder John „Enter the Dragon“ Saxon haben wollte, die Geldgeber aber nicht auf Hugo Stiglitz verzichten wollten. Dabei ist Stiglitz dank seiner 80´s-Machoattitüde absolut ´badass´. Wenn er seiner Anna zur Beruhigung mal eine scheuert, wird er von ihr gnadenlos zurückgeküsst! Was bleibt ist eine inkohärente, oft unfreiwillig komische Verfolgungshatz, die aber dennoch genug vom famosen gewissen Etwas hat, um durchweg unterhalten zu können. Über die ganze Laufzeit vermittelt der Film ein fast surreal anmutendes Szenario, das durch den nicht allzu originellen, davon ab aber wirkungsvollen Schlusstwist, gar noch verstärkt wird. Auch wenn nicht frei von Macken, darf zumindest der Genrefreak Lenzis Öko-Thriller gern haben. Trotz der Tanzdeppen am Anfang. 

Autor: bob der werfrosch


Diese Tanzeinlage, Allmächtiger, DIESE TANZEINLAGE!!!!!!!

Copyright: Dialchi Film, Lotus Films, Televicine S.A. de C.V.















#007 HOWARD THE DUCK

HOWARD THE DUCK 1986




Vor nicht allzu langer, langer Zeit in einer dafür aber weit, weit entfernten Galaxis. Howard ist ein ganz normaler Kerl in den besten Jahren. Er hat einen guten Job, er schreibt in seiner Freizeit Rocksongs, und darüberhinaus liebt er Zigarren, Bier und Frauen. Ach, nur mal so nebenbei - Howard ist ein humanioder Enterich, und seine Welt ist das eiförmige Duck World! Doch eines Tages wird sein geruhsames Leben, als er nach der Arbeit grade im neuen "Playduck"  herumblättern möchte, plötzlich aus der Bahn geworfen. Als der ehrgeizige Wissenschaftler Walter Jenning (grandios: Jeffrey Jones, "Sleepy Hollow") auf unserem blauen Planet  mit dem neuartigen Laserspektostrop  (was auch immer das sein sollte) herumexperimentiert, wird Howard durch einen verirrten Energiestrahl von Duck World heruntergerissen und landet mitten in Cleveland! Dort trifft er auf die aufstrebende Rocksängerin Beverly Switzler (Lea Thompson, Martis Momma in "Zurück in die Zukunft"), die gerade von zwei aufdringlichen Fans belästigt wird. Nachdem Howard sie durch sein Quack-Fu (!) retten kann, entwickelt sich zwischen den beiden eine enge Freundschaft  (mit Aussicht auf mehr!). Doch die vorlaute Ente weiß, dass diese Welt nicht die ihrige sein und bleiben darf. Beverly versucht daraufhin gemeinsam mit Doc Jennings und ihrem Bekannten, dem dusseligen Laborassistenten Phil Blumburtt (ja, tatsächlich DER Oscarpreisträger Tim Robbins, "Mystic River") die Ente auf ihren Planeten zurück zu beamen. Doch zuvor müssen sie die Erde von einem dämonischen Herrscher der Dunkelheit (der nennt sich in der Tat so) befreien, der von Jennings Körper Besitz ergriffen hat und seine nicht minder diabolischen Kumpels aus dem Nexus von Sominus (!) auf die Erde holen will. Um, natürlich, einfach mal alles und jeden zu zerstören, wie es sich eben für sauroneske Diktatoren mit Allmachtsphantasien gehört.

Howard, der 2.000.000 $ Enterich

Eine auf zwei Beinen stehende, dauerqualmende und Bier trinkende Ente, die ständig mit sarkastischen Bemerkungen um sich schmeißt und auch mal Ärsche tritt? Was sich der Marvel Verlag (Spidey und Co.) als kurzweilige Persiflage auf Superhelden- und besonders auf Kindercomics dachte, funktionierte in den 1970ern plötzlich besser als erwartet, sodass die Serie allen Erwartungen entgegen so etwas wie Erfolg verbuchen konnte. Dass da nebenbei ein gewisser Megakonzern, der neben einer international bekannten Mausfigur auch eine Entenfigur sehr erfolgreich etabliert konnte bald mit einer Klage ankam, sodass Marvels Enterich nun Hosen tragen musste um Verwechslungen aus dem Weg zu gehen, dürfte keinen verwundern. Doch die Tatsache, dass sich Georg Lucas, der größte der Jedis und der Initiator der Kaste der Film-Merchandisingmilliardäre, höchstpersönlich für Howards Einstieg ins Kinouniversum verpflichtete, hätte wohl nicht einmal Obi-Wan persönlich erahnen können. Mitte der 1980er kam der ewige Bartträger Lucas trotz der Megaerfolge um die Sternen- und Indiana Jones Sagen wegen den Unsummen, die der Bau der Skywalker Ranch verschlang, in gewaltige finanzielle Nöte, sodass er nach einer neuen Franchise suchte, die wieder Trillionen einspielen sollte damit er diese in Zukunft zum Verwursten seiner eigenen oben genannten Megaerfolge nutzen können wird. Welche Mächte ihn allerdings mit der nicht mehr so populären Comicfigur Howard the Duck (Serie wurde schon fünf Jahre zuvor, 1981, eingestellt) zusammen brachten, wird die Welt sicherlich nie erfahren dürfen, da Schorsch heutzutage auf die Frage nach dem ungewöhnlichen Comicflop seeehr allergisch reagiert - fast so allergisch, wie auf die Tatsache, dass er "angeblich" auch Weihnachtslieder singende Wookies fabriziert hat. Der Rest hat aber fast so etwas wie ein Happy-End: nachdem Howard an den Kinokassen böse unterging, musste Lucas seine noch junge ILM Animationsabteilung für grade mal 10 Mille an den "Apple" Mitgründer Steve Jobs abtreten, der sie kurzehand in "Pixar" umbenannte  und damit Kinogeschichte schrieb.

"Ich geb´ dir gleich Donald!!"
(Howard Originalcomic Ausgabe #8)

Doch ist die erste hochbudgetierte Marvel Kinoadaption tatsächlich so mies, dass man sie 1987 für sieben Goldene Himbeeren nominierte (vier "gewonnen"), und 1990 gar zum zweitschlechtesten Film der 80er Jahre Dekade wählte? Es liegt mal wieder, wie so oft, an der Perspektive aus der man die wohl merkwürdigste Lucas Produktion betrachtet. Das Problem von von Howards filmischen Einstand ist unübersehbar der Fakt, dass er nicht Geflügel und nicht Fisch ist, da er den höchst zynischen Ton der Comicvorlage nur anstreift und möglichst oft mit kindgerechtem Späßchen vermischt. Einen Spagat zwischen Slapstick-Kinderfilm und bösartigen Erwachsenenunterhaltung zu wagen ist gewiss nur auf den Umstand zurückzuführen, dass man möglichst verschiedene Altersgruppen ins Kino locken wollte, was letzen Endes nicht funktionieren konnte und der Film manch einer Quelle nach grade mal seine um die 30 Millionen Dollar Kosten einspielte, manch anderer nach nicht einmal die Hälfte davon.
Wie sonst sind Absurditäten a la Howards Jobsuche beim Arbeitsamt zu erklären, als er aus Beverlys Bude auszieht? Anfangs wundert sich der eine oder andere, dass er mit einer aufrecht laufenden und sprechenden Ente konfrontiert wird, später scheint es aber das Selbstverständlichste von der Welt zu sein. Howard bekommt schlussendlich einen Job im Bordell (!), wo er gebrauchte Handtücher und sonstige Ingredienzien, die man da noch so benötigt,  auswechseln muss. Doch nicht genug der ach so anstößigen sexuellen Witzchen: gleich zu Beginn sieht man zweimal entkleidete Entendamen mit großen gefiederten Brüsten (!!), später findet Beverly in Howards Brieftasche ein Kondom - und es dauert natürlich auch nicht lange, und schon ist die Kleine willig wie alle Jungs aus "American Pie" zusammen.  Auf Howard, wohlbemerkt. Im wilden Mix mit dem im letzten Drittel wirklich furchteinflößend mutierten Jennings/Overlord ist an der Prämisse einer Familienunterhaltung demnach mehr als nur knapp vorbei geschossen worden.

"Nun, Howard, es ist ein einfacher Umformungsprozess, bei dem die Cystinbindungen, die im Haarkeratin durch Reduktion mit Thioglykolsäure reagieren, aufgebrochen werden!"

Wer allerdings ein großes Herz für Trashproduktionen hat, wird von dem bunten Treiben tierisch gut amüsiert. Man denke nur mal in Ruhe darüber nach: der Held der Geschichte ist eine sprechende, rauchende, saufende und kämpfende, meistens mies gelaunte Ente aus einem Paralleluniversum, die am Ende gegen einen riesigen Stop-Motion Skorpion ähnlichen Endboss kämpfen darf und zuvor eine obskure Situation nach der nächsten erleben darf. Und George Lucas produziert! Howards Kostüm soll übrigens zwei Millionen Dollar gekostet haben, doch sieht man es dem putzigen Kerlchen keine Sekunde an. Eher vermutet man ein Kindersuit aus der Kostümverleihe um die Ecke, doch nichtsdestotrotz ist der 70cm große Rabauke um Welten sympathischer und gar ernstzunehmender als die noch kommende galaktische Pixel-Nervensäge Jar-Jar Binks. Apropos verhassteste Star Wars Figur ever: sie könnte bei ihrer Entstehung eventuell von Tim Robbins Performance inspiriert gewesen sein, denn was der zukünftige oscarprämierte Schauspieler von Welt hier als Schauspielerei verkaufen möchte, muss man einfach gesehen haben, um es glauben zu können.

"Was denn, Brad Pitt in "Todesparty 2" ist doch noch peinlicher!"

Lea Thompson, die in den 80ern so etwas wie ein Jugendidol war, hat trotz monströser Dauerwelle verdammt viel Sympathie unter dem gigantischen Berg von Haaren vorzuweisen, dass man ihr ihre Sodomie Vorliebe gerne mal verzeiht. Und Jeffrey Jones darf im letzten Drittel im wirklich überzeugenden Make-Up als herrlich bösartiger Megalomane die Sau rauslassen, ohne dabei lächerlich zu erscheinen. Zumindest ist das in der englischsprachigen Originalversion so, da man sich bei der deutschen Synchronisation für eine brand´sche Vertonung entschieden hat, welche das Trash Appeal natürlich noch mehr steigert. Ob der Großteil der Dialoge in der transatlantischen Fassung mehr Sinn ergeben, sei mal so dahingestellt, in der deutschen Fassung bekommt man hingegen wirklich viel groben Unfug zu hören, der aber wirklich viel Spaß macht.

"Obi-Wan hat dich viel gelehrt, Donald... ähm, Luke. Howard!"

Bei seiner Erscheinung mächtig verpönt, heutzutage in gewissen Kreisen zu Recht mit der allseits beliebten "Kult" Etikette versehen, darf sich der aufmüpfige Enterich einer kleiner Fangemeinde erfreuen. Lucas, der den Film am liebsten wie das ominöse Star Wars Christmas Special verschwinden lassen würde, hat ungewollt eine der eigensinnigsten und amüsantesten Comicverfilmungen überhaupt produziert, die bisher übrigens  nur in Deutschland auf DVD erschienen ist und da sogar in der ungeschnittenen Fassung!
Amüsantes zum Schluss: 1997 gab es bei den Comichäusern Marvel und DC ein Mega-Crossover, bei dem jeweils ein Held aus einem Haus mit einem anderen aus dem Konkurenzuniversum zusammenschmolz, und unser Howard durfte - natürlich -  dem verrücktesten Massenmörder der (DC) Galaxis fusionieren: Lobo! 

Autor: THE AMAZING ZELLULOID-MAN



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