Dienstag, 4. Februar 2014

#008 GROßANGRIFF DER ZOMBIES

GROSSANGRIFF DER ZOMBIES 1980  





Am Anfang steht ein von Stelvio Ciprianis unheimlichen Synthieklängen begleiteter Rundflug über die graue Stadt voller Betonklötze, der den US-Titel „Nightmare City“ mehr als nur rechtfertigt. In diesem Moloch lebt der unerschrockene Reporter Dean Miller (Hugo Stiglitz, „Zombie Apocalypse“), der sich wegen eines Berichts am Flughafen herumtreibt. Seinem journalistischen Auge entgeht nicht die Panik der Sicherheitskräfte über eine unidentifizierte Militärmaschine, die ohne jede Vorwarnung landet. Als aus ihr bewaffnete und darüber hinaus unverwundbare Wissenschaftler heraus hüpfen, die sich in tödlicher Absicht auf alle Anwesenden stürzen, ist sogar der stoische Berichterstatter sprachlos. Mit allem was nach einer Waffe anmutet dezimiert die wilde Horde menschliches Leben, um ihren höchst unmenschlichen Durst nach Menschenblut stillen zu können! 

Radioactive-Men!
Sich des germanischen Titels von „Großangriff der Zombies“ vergegenwärtigend, dürfte der Zuschauer früh ernüchternd feststellen, dass er wieder einmal Opfer eines gewieften Täuschungsmanövers seitens der Marketingstrategie-Mafia wurde. Denn diese ´transsylvanischen Zombies´ haben mit den liebgewonnenen romero'esken Wiedergängern absolut nichts gemein, auch wenn das deutsche Kino Plakat es laut verspricht, dass es sich um den neuesten echten Zombie Film handelt. Kein Wunder aber, sind die Halb-Kannibalen doch immenser radioaktiver Strahlung ausgesetzt gewesen, die die Erythrozyten absterben ließ und das Verlangen nach lecker Menschenblut schärfte. Wie sie diese Verstrahlung überhaupt überleben konnten, ist genregemäß nicht weiter relevant. Fraglich erscheint, weshalb einige wenige Mutanten mit wirklich fürchterlichen Latexmasken gesegnet wurden, andere hingegen nur mit Teer in der Physiognomie abgespeist wurden. 

Autsch.
Nicht weniger grausam geht die Geschichte weiter. Noch einmal schwenkt die Kamera über den mit Leichen übersäten Flugplatz, um unangekündigt ins TV-Studio zu wechseln, wo wir Zeuge eines fast ebenbürtigen Schreckensszenarios werden. Denn es sind die 80er und im Fernsehen wird getanzt, Baby! Flachbrüstige Frauen, miese und dazu auch noch asynchrone Choreographien und obendrauf Kameramänner in weißen Kitteln würden wohl für einen eigenen Horrorfilm reichen. Die Spaßbremse Miller unterbricht die fetzige Tanznummer jedoch, um live über die Katastrophe am Flughafen zu berichten, was aber schon nach wenigen Sekunden vom Militär unterbunden wird. So wie es sich eben gehört! Daraufhin begibt sich Miller auf den Weg ins Krankenhaus, um seine Gemahlin Anna (Laura Trotter, „Miami Golem“), die dort als Ärztin praktiziert, noch vor der Apokalypse aufzugabeln. Nebenbei erleben wir auch die Geschichte von Major Warren Holmes (Francisco Rabal, „Dagon“), der ebenso darum bemüht ist seine Angetraute Sheila (Maria Rosaria Omaggio) in Sicherheit zu bringen. 

Auch wenn´s die Achtziger waren: Nein, Nein und Nein!

Umberto Lenzi ist ein filmischer Tausendsassa: Horror, Abenteuerfilm, Action und noch vieles mehr entstand binnen einer 30-jährigen Schaffensperiode unter seinen Namen, am bekanntesten ist er natürlich für seine Kannibalenschocker „Mondo Cannibale“, „Eaten Alive!“ und „Cannibal Ferox“. Viele erinnern sich aber auch gerne an seinen „Großangriff der Zombies“, auch wenn sein Beitrag zur unglaublich beliebten Zombiewelle der 80er Jahre, wie bereits erwähnt, eigentlich keinen richtigen Zombiefilm darstellt. Die Idee trug Lenzi schon Jahre mit sich herum, als Reflexion auf den Kalten Krieg und das dazu gehörige atomare Wettrüsten. Aber auch auf die immer größer werdende Entfremdung des Menschen und den Glauben an eine sichere weil technologisierte Zukunft. Alles schön und gut, sagten sich auch die Produzenten, nur fehlte ihnen die wichtigste Komponente: Zombies. Damit wäre auch die Frage geklärt, weshalb die irren Angreifer, die in Lenzis Vision noch von anderen Menschen nicht zu unterscheiden waren, lustige Masken bzw. lustiges Make-Up tragen mussten. 

Inglourios basterd!


Probleme gab es auch mit der Wahl des Hauptdarstellers, da Lenzi entweder Franco „Django“ Nero oder John „Enter the Dragon“ Saxon haben wollte, die Geldgeber aber nicht auf Hugo Stiglitz verzichten wollten. Dabei ist Stiglitz dank seiner 80´s-Machoattitüde absolut ´badass´. Wenn er seiner Anna zur Beruhigung mal eine scheuert, wird er von ihr gnadenlos zurückgeküsst! Was bleibt ist eine inkohärente, oft unfreiwillig komische Verfolgungshatz, die aber dennoch genug vom famosen gewissen Etwas hat, um durchweg unterhalten zu können. Über die ganze Laufzeit vermittelt der Film ein fast surreal anmutendes Szenario, das durch den nicht allzu originellen, davon ab aber wirkungsvollen Schlusstwist, gar noch verstärkt wird. Auch wenn nicht frei von Macken, darf zumindest der Genrefreak Lenzis Öko-Thriller gern haben. Trotz der Tanzdeppen am Anfang. 

Autor: bob der werfrosch


Diese Tanzeinlage, Allmächtiger, DIESE TANZEINLAGE!!!!!!!

Copyright: Dialchi Film, Lotus Films, Televicine S.A. de C.V.















#007 HOWARD THE DUCK

HOWARD THE DUCK 1986




Vor nicht allzu langer, langer Zeit in einer dafür aber weit, weit entfernten Galaxis. Howard ist ein ganz normaler Kerl in den besten Jahren. Er hat einen guten Job, er schreibt in seiner Freizeit Rocksongs, und darüberhinaus liebt er Zigarren, Bier und Frauen. Ach, nur mal so nebenbei - Howard ist ein humanioder Enterich, und seine Welt ist das eiförmige Duck World! Doch eines Tages wird sein geruhsames Leben, als er nach der Arbeit grade im neuen "Playduck"  herumblättern möchte, plötzlich aus der Bahn geworfen. Als der ehrgeizige Wissenschaftler Walter Jenning (grandios: Jeffrey Jones, "Sleepy Hollow") auf unserem blauen Planet  mit dem neuartigen Laserspektostrop  (was auch immer das sein sollte) herumexperimentiert, wird Howard durch einen verirrten Energiestrahl von Duck World heruntergerissen und landet mitten in Cleveland! Dort trifft er auf die aufstrebende Rocksängerin Beverly Switzler (Lea Thompson, Martis Momma in "Zurück in die Zukunft"), die gerade von zwei aufdringlichen Fans belästigt wird. Nachdem Howard sie durch sein Quack-Fu (!) retten kann, entwickelt sich zwischen den beiden eine enge Freundschaft  (mit Aussicht auf mehr!). Doch die vorlaute Ente weiß, dass diese Welt nicht die ihrige sein und bleiben darf. Beverly versucht daraufhin gemeinsam mit Doc Jennings und ihrem Bekannten, dem dusseligen Laborassistenten Phil Blumburtt (ja, tatsächlich DER Oscarpreisträger Tim Robbins, "Mystic River") die Ente auf ihren Planeten zurück zu beamen. Doch zuvor müssen sie die Erde von einem dämonischen Herrscher der Dunkelheit (der nennt sich in der Tat so) befreien, der von Jennings Körper Besitz ergriffen hat und seine nicht minder diabolischen Kumpels aus dem Nexus von Sominus (!) auf die Erde holen will. Um, natürlich, einfach mal alles und jeden zu zerstören, wie es sich eben für sauroneske Diktatoren mit Allmachtsphantasien gehört.

Howard, der 2.000.000 $ Enterich

Eine auf zwei Beinen stehende, dauerqualmende und Bier trinkende Ente, die ständig mit sarkastischen Bemerkungen um sich schmeißt und auch mal Ärsche tritt? Was sich der Marvel Verlag (Spidey und Co.) als kurzweilige Persiflage auf Superhelden- und besonders auf Kindercomics dachte, funktionierte in den 1970ern plötzlich besser als erwartet, sodass die Serie allen Erwartungen entgegen so etwas wie Erfolg verbuchen konnte. Dass da nebenbei ein gewisser Megakonzern, der neben einer international bekannten Mausfigur auch eine Entenfigur sehr erfolgreich etabliert konnte bald mit einer Klage ankam, sodass Marvels Enterich nun Hosen tragen musste um Verwechslungen aus dem Weg zu gehen, dürfte keinen verwundern. Doch die Tatsache, dass sich Georg Lucas, der größte der Jedis und der Initiator der Kaste der Film-Merchandisingmilliardäre, höchstpersönlich für Howards Einstieg ins Kinouniversum verpflichtete, hätte wohl nicht einmal Obi-Wan persönlich erahnen können. Mitte der 1980er kam der ewige Bartträger Lucas trotz der Megaerfolge um die Sternen- und Indiana Jones Sagen wegen den Unsummen, die der Bau der Skywalker Ranch verschlang, in gewaltige finanzielle Nöte, sodass er nach einer neuen Franchise suchte, die wieder Trillionen einspielen sollte damit er diese in Zukunft zum Verwursten seiner eigenen oben genannten Megaerfolge nutzen können wird. Welche Mächte ihn allerdings mit der nicht mehr so populären Comicfigur Howard the Duck (Serie wurde schon fünf Jahre zuvor, 1981, eingestellt) zusammen brachten, wird die Welt sicherlich nie erfahren dürfen, da Schorsch heutzutage auf die Frage nach dem ungewöhnlichen Comicflop seeehr allergisch reagiert - fast so allergisch, wie auf die Tatsache, dass er "angeblich" auch Weihnachtslieder singende Wookies fabriziert hat. Der Rest hat aber fast so etwas wie ein Happy-End: nachdem Howard an den Kinokassen böse unterging, musste Lucas seine noch junge ILM Animationsabteilung für grade mal 10 Mille an den "Apple" Mitgründer Steve Jobs abtreten, der sie kurzehand in "Pixar" umbenannte  und damit Kinogeschichte schrieb.

"Ich geb´ dir gleich Donald!!"
(Howard Originalcomic Ausgabe #8)

Doch ist die erste hochbudgetierte Marvel Kinoadaption tatsächlich so mies, dass man sie 1987 für sieben Goldene Himbeeren nominierte (vier "gewonnen"), und 1990 gar zum zweitschlechtesten Film der 80er Jahre Dekade wählte? Es liegt mal wieder, wie so oft, an der Perspektive aus der man die wohl merkwürdigste Lucas Produktion betrachtet. Das Problem von von Howards filmischen Einstand ist unübersehbar der Fakt, dass er nicht Geflügel und nicht Fisch ist, da er den höchst zynischen Ton der Comicvorlage nur anstreift und möglichst oft mit kindgerechtem Späßchen vermischt. Einen Spagat zwischen Slapstick-Kinderfilm und bösartigen Erwachsenenunterhaltung zu wagen ist gewiss nur auf den Umstand zurückzuführen, dass man möglichst verschiedene Altersgruppen ins Kino locken wollte, was letzen Endes nicht funktionieren konnte und der Film manch einer Quelle nach grade mal seine um die 30 Millionen Dollar Kosten einspielte, manch anderer nach nicht einmal die Hälfte davon.
Wie sonst sind Absurditäten a la Howards Jobsuche beim Arbeitsamt zu erklären, als er aus Beverlys Bude auszieht? Anfangs wundert sich der eine oder andere, dass er mit einer aufrecht laufenden und sprechenden Ente konfrontiert wird, später scheint es aber das Selbstverständlichste von der Welt zu sein. Howard bekommt schlussendlich einen Job im Bordell (!), wo er gebrauchte Handtücher und sonstige Ingredienzien, die man da noch so benötigt,  auswechseln muss. Doch nicht genug der ach so anstößigen sexuellen Witzchen: gleich zu Beginn sieht man zweimal entkleidete Entendamen mit großen gefiederten Brüsten (!!), später findet Beverly in Howards Brieftasche ein Kondom - und es dauert natürlich auch nicht lange, und schon ist die Kleine willig wie alle Jungs aus "American Pie" zusammen.  Auf Howard, wohlbemerkt. Im wilden Mix mit dem im letzten Drittel wirklich furchteinflößend mutierten Jennings/Overlord ist an der Prämisse einer Familienunterhaltung demnach mehr als nur knapp vorbei geschossen worden.

"Nun, Howard, es ist ein einfacher Umformungsprozess, bei dem die Cystinbindungen, die im Haarkeratin durch Reduktion mit Thioglykolsäure reagieren, aufgebrochen werden!"

Wer allerdings ein großes Herz für Trashproduktionen hat, wird von dem bunten Treiben tierisch gut amüsiert. Man denke nur mal in Ruhe darüber nach: der Held der Geschichte ist eine sprechende, rauchende, saufende und kämpfende, meistens mies gelaunte Ente aus einem Paralleluniversum, die am Ende gegen einen riesigen Stop-Motion Skorpion ähnlichen Endboss kämpfen darf und zuvor eine obskure Situation nach der nächsten erleben darf. Und George Lucas produziert! Howards Kostüm soll übrigens zwei Millionen Dollar gekostet haben, doch sieht man es dem putzigen Kerlchen keine Sekunde an. Eher vermutet man ein Kindersuit aus der Kostümverleihe um die Ecke, doch nichtsdestotrotz ist der 70cm große Rabauke um Welten sympathischer und gar ernstzunehmender als die noch kommende galaktische Pixel-Nervensäge Jar-Jar Binks. Apropos verhassteste Star Wars Figur ever: sie könnte bei ihrer Entstehung eventuell von Tim Robbins Performance inspiriert gewesen sein, denn was der zukünftige oscarprämierte Schauspieler von Welt hier als Schauspielerei verkaufen möchte, muss man einfach gesehen haben, um es glauben zu können.

"Was denn, Brad Pitt in "Todesparty 2" ist doch noch peinlicher!"

Lea Thompson, die in den 80ern so etwas wie ein Jugendidol war, hat trotz monströser Dauerwelle verdammt viel Sympathie unter dem gigantischen Berg von Haaren vorzuweisen, dass man ihr ihre Sodomie Vorliebe gerne mal verzeiht. Und Jeffrey Jones darf im letzten Drittel im wirklich überzeugenden Make-Up als herrlich bösartiger Megalomane die Sau rauslassen, ohne dabei lächerlich zu erscheinen. Zumindest ist das in der englischsprachigen Originalversion so, da man sich bei der deutschen Synchronisation für eine brand´sche Vertonung entschieden hat, welche das Trash Appeal natürlich noch mehr steigert. Ob der Großteil der Dialoge in der transatlantischen Fassung mehr Sinn ergeben, sei mal so dahingestellt, in der deutschen Fassung bekommt man hingegen wirklich viel groben Unfug zu hören, der aber wirklich viel Spaß macht.

"Obi-Wan hat dich viel gelehrt, Donald... ähm, Luke. Howard!"

Bei seiner Erscheinung mächtig verpönt, heutzutage in gewissen Kreisen zu Recht mit der allseits beliebten "Kult" Etikette versehen, darf sich der aufmüpfige Enterich einer kleiner Fangemeinde erfreuen. Lucas, der den Film am liebsten wie das ominöse Star Wars Christmas Special verschwinden lassen würde, hat ungewollt eine der eigensinnigsten und amüsantesten Comicverfilmungen überhaupt produziert, die bisher übrigens  nur in Deutschland auf DVD erschienen ist und da sogar in der ungeschnittenen Fassung!
Amüsantes zum Schluss: 1997 gab es bei den Comichäusern Marvel und DC ein Mega-Crossover, bei dem jeweils ein Held aus einem Haus mit einem anderen aus dem Konkurenzuniversum zusammenschmolz, und unser Howard durfte - natürlich -  dem verrücktesten Massenmörder der (DC) Galaxis fusionieren: Lobo! 

Autor: THE AMAZING ZELLULOID-MAN



Copyright: Universal Pictures, Lucasfilm, Marvel

Mittwoch, 29. Januar 2014

#006 SILENT NIGHT DEADLY NIGHT PART 2


SILENT NIGHT 
DEADLY NIGHT PART 2 1984



„THE NIGHTMARE IS ABOUT TO BEGIN... AGAIN!“ - Offizieller Slogan, der auch als Warnung verstanden werden kann und darf.



Purer Horror schon im ersten Frame!
Wenn die erste Einstellung in einem Film von Tennissocken umhüllte Männerfüße in Mokassins zeigt und dazu scheußliches Synthesizer-Gedudel als begleitende musikalische Untermalung erklingt, dann können wir eigentlich nur auf Zeitreise in den Achtzigern sein! Die Füße gehören einem gewissen Richard ´Ricky´ Caldwell (unvorstellbar schlecht: Eric Freeman), der in der Klapse sitzt und von Dr. Henry Bloom (James Newman) fachgerecht analysiert werden soll. Und der junge Mann hat viel zu erzählen. Zum einem aus seinem Leben und zum anderem auch aus dem seines Bruders, keinem geringeren als William ´Billy´ Chapman, dem sagenumwobenen Santa Claus-Meuchelmörder! 

Ihr wisst nicht wer Billy, der sagenumwobene Santa Claus-Meuchelmörder ist? An dieser Stelle stehen euch zur Lösung dieses Problems zwei Optionen zur Auswahl: Entweder besorgt ihr euch den ersten Part der fünfteiligen  „Silent Night, Deadly Night“-Reihe, oder ihr entscheidet euch für die bequemere und kostensparendere Variante und schaut einfach Teil zwei weiter! In dem nämlich erzählt Ricky die tragisch-bescheuerte Geschichte seines nicht minder psychodoofen Bruders in aller Ausführlichkeit nach. Als wäre er selbst dabei gewesen werden alle ´wichtigen´ (denkt schnell an die teuflische Dr. Evil-Lache!) Stationen des Originals einfach noch einmal abgespult, womit rund die Hälfte der Spielzeit schon mal abgefrühstückt wäre. 

Nur werden die bekannten Ereignisse in dieser als Slasher getarnten Menschenrechtsverletzung von Ricky kommentiert, was sich besonders in der ungeheuer mies synchronisierten deutschen Fassung als wahre Folter entpuppt. Nachdem Billys Odyssee ein Ende finden darf, ist es uns endlich auch erlaubt an Rickys schicksalhafter Chronik teilzuhaben. Und diese fällt tatsächlich noch absurder aus als die des geliebten Bruders. Als Ricky diesen nämlich sterben sah, wurde der traumatisierte Junge von einer jüdischen Familie adoptiert (kein Weihnachten, gell). Fortan darf er sich einer fast normalen Kindheit erfreuen. Zu einer ganz normalen Kindheit reicht es leider aber doch nicht ganz, immerhin erlitt er schon als kleiner Bub beim Sichten der Farbe Rot eine Art katatonisch-schizophrenen Anfall. 
                                                                                                        
So doof, dass... Nö, nur doof.
Nur denkt er da noch nicht daran, anderen Menschen Regenschirme in den Bauch zu rammen und diese dann aufzuspannen. Oder die Zunge des Nebenbuhlers seiner Freundin per Kabel an eine Autobatterie anzuschließen, bis diesem die Augen heraus platzen. Doch bald soll sich das Schicksal umso mehr gegen die wandelnde Fönfrisur Ricky wenden! Bei einem beschaulichen Spaziergang im Walde wird er in seinem zarten Teenageralter Zeuge einer Fast-Vergewaltigung. Nachdem der Rüpel von dem sich wehrenden Mädchen ablässt und sich ein Bier aus seinem Jeep gönnt, ist sein Schicksal besiegelt. Nicht weil etwa einer damsel in distress zur Hülfe geeilt werden müsste - der Jeep ist rot. 

Eine überfahrene Leiche später (so was von blöd gefilmt) hat Ricky Blut geleckt und möchte fortan wie sein Bruder zuvor alle unartigen Menschen bestrafen. Auch die Beziehung zu seiner hübschen Freundin Jennifer (Elizabeth Kaitan, „Freitag der 13. Part VII“) kann das nach dem Lebenssaft lechzendes Rentier in ihm nicht stoppen, ja sie wird sogar, welch Tragik, eines seiner Opfer. So geht es weiter, bis nach Dr. Bloom noch der finale Kampf "Santa-Killer vs. zähe Nonnengebieterin im Rollstuhl", die da wäre die verhasste Waisenhausoberin Mother Superior die neben ihm auch Billy einst schikanierte, ansteht. Die alte Schrulle könnte übrigens glatt als die vierte der "Argento´schen Mütter" durchgehen, wohnt sie doch sogar in einem Appartement mit der Nummer 666!

"Naughty this!"

Wo soll man diesem Scherbenhaufen nur anfangen? Lee Harry, der 1991 noch den Action-Rohrkrepierer „Street Soldiers“ drehen sollte, liefert mit dem zweiten Teil der wohl beklopptesten Slasher-Saga überhaupt eine geballte Ladung Filmmüll ab. Immerhin zur Freude der Trash-Fraktion liefert Eric Freeman, der später noch in einigen unbedeutenden TV-Serien sein darstellerisches Unvermögen beweisen durfte, eine der schlechtesten Killerperformances in der Geschichte des Schlitzerfilms ab. Besonders die Szenen, in denen er Zorn darstellen soll, dürften einen Ehrenplatz in den Annalen der (notgedrungenen) Filmkomödie verdient haben.

Leicht gemacht wird es ihm aber von einem jeglicher Vernunft trotzenden Skript, welches von nicht einem, nicht zwei und auch nicht drei, sondern gleich vier ( in Ausrufezeichen: !!!!) Drehbuchautoren zusammen gewurstelt wurde - Ho-Ho-Ho-Holy Shit! Die Idee mit der roten Farbe als eines der Motive für Rickys Fehlverhalten (und Assoziation für Weihnachten, wir haben es kapiert) ist mehr als am Bart des Weihnachtsmanns herbei gezogen. Dass er anfangs noch Leute kalt machen will, die unartig waren (und darunter kann bei ihm alles Mögliche verstanden werden), aber schon kurze Zeit später die eigene Freundin absolut grundlos erdrosselt, stößt auch in einem No-Brainer dieses Kalibers sauer auf.

Dass er von seiner Mission gegen die Unfolgsamkeit allzu schnell ablässt, beweist auch sein an Debilität kaum zu überbietender Amoklauf durch die Stadt. Nachdem er einen Polizisten seiner Waffe (und seines Lebens) beraubt hat, spaziert der gute Ricky die Straßen entlang und ballert auf alles was sich bewegt. Ein Mann bringt seinen Müll raus (wie unartig), also wird er über den Haufen geschossen. Die "Garbage Day" Szene ist sowas von albern, dass ihr - völligst zu Recht! - ein absoluter Kultstatus nicht abgesprochen werden kann. Doch lasset euch im folgenden Film Schnipsel diese auf Zelluloid gebannte Sensation auf der Bindehaut zergehen:





















Und um einen fahrenden Wagen zum Umkippen UND Explodieren zu bringen braucht unser dauergrinsender Soziopath gerade mal drei Schüsse aus dem Revolver.  



Wer sich also an grausigen Leistungen vor wie hinter der Kamera ergötzen kann, der wird an „Silent Night, Deadly Night 2“ durchaus Freude haben. Das allzu überstrapazierte Recyclen des Vorgängers ist allerdings sehr, sehr unartig.

AUTOR: bob der werfrosch


Noch Fragen?

Copyright: SILENT NIGHT RELEASING PICTURES

Dienstag, 28. Januar 2014

#005 SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT


SILENT NIGHT 
DEADLY NIGHT 1984 



Rekapitulation: Im Horrorfilm gibt es kaum einen Feiertag, an dem noch nicht massakriert wurde! Und wenn sogar am unbedeutendem 1. April („April Fools Day“) noch ein Irrer nervige Teens niedermetzeln darf, dann muss es am festlichsten aller Festtage (it's Christmas time, baby!) besonders blutig zugehen. „Silent Night, Deadly Night“ (Alternativ: „Stille Nacht, Horror Nacht“) ist nicht der erste und sicherlich auch nicht der letzte filmische Versuch, der eigentlich besinnlichen Weihnachtszeit einen horriblen Anstrich zu verpassen. Eines aber ist der 1984 gedrehte Streifen ganz gewiss: der blödsinnigste. 

Stirb, Mutant Killer Snowman, stirb!!!

Als Erklärung für den (ungewollt) komödiantischen Anstrich dieses bierernst abgespulten Pseudo-Schockers kann durchaus das mysteriöse Fernbleiben jeglichen Talents vor, hinter und wohl auch neben der Kamera herhalten. Das Narrative indes lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: Es weihnachtet sehr, als Familie Chapman auf der nächtlichen Landstraße per Automobil unterwegs ist. Ein in Not geratener Mann im Santa-Kostüm appelliert an Papa Chapmans Mitgefühl, honoriert den humanitären Akt aber mit der Ermordung des Familienoberhauptes. Mutter Chapman trifft das gleiche Schicksal, nur muss sie vorher noch die blanke Brust gen Kamera halten. 

Der Weihnachtsmann selbst scheint es mit dem "brav sein"
selbst nicht so genau zu nehmen.

Die überlebenden Kinder leiden fortan unter Santaclausophobie (gibt‘s wirklich!) und fristen ihr Dasein im Waisenhaus. Als Chapmans Billy Jahre später zum stattlichen jungen Mann mit dufter Mähne herangewachsen ist, jobbt er als Aushilfe in Mr. Sims Spielzeugladen. Sein Brötchengeber kommt während der feuchtfröhlichen Weihnachtsfeier auf die grandiose Idee, Billy in ein Weihnachtsmannkostüm zu stecken. Obacht Leute, denn was nun folgt könnte auch diejenigen, die dem wahrlich schlechten Filmgeschmack frönen, in tiefste Verzweiflung stürzen. Denn Billy wird selbst zum Killer-Santa! Und zu einem kreativen obendrein.

Könnt´ glatt als Postkarten Motiv durchgehen.

Egal ob Schlitten, Hirschgeweih oder Lichterkette, was der völlig Durchgeknallte in die Hände kriegt, wird zur Bestrafung nicht brav gewesener Zeitgenossen blutig zweckentfremdet. Es versteht sich fast von selbst, dass jede einzelne Variation des Slasher-Genres förmlich in die Welt hinausschreit: Logik inkompatibel! Fans wissen das zu akzeptieren. Doch wenn in solch absurder Manier wie hier vorgegangen wird, ist die Grenze zur Beleidigung der menschlichen Vernunft schnell überschritten. Jahrelang kriegt der kleine Billy nur beim Sichten eines Weihnachtsmannbartes Panikattacken, um sich in voller Kostümierung dann urplötzlich selbst in einen Festtagsschlächter wie den Mörder seiner Familie verwandelt. Sorry, aber das ist selbst für den jeden Anspruch unterminierenden Schlitzerfilm zu viel des Blöden. 



Hammer Time!


Zumal auch der Rest nicht grade das Gelbe vom Eierlikör ist. Die schauspielerischen Leistungen unterbieten selbst die Standards dieses an Untalent nicht eben armen Metiers mit Leichtigkeit, der Sounddreck erweist sich als nervigstes 80's-Gedudel und von einer ansatzweise spannenden Umsetzung ist man weiter entfernt als Adam Sandler von witzig. Einzig die innovativen und derben Kills des Satan Claus Billy können in ihrer charmanten Old-School-Art überzeugen. Nur bieten auch die keine Rechtfertigung dafür, eineinhalb Stunden seiner Existenz an solchen Mumpitz zu verplempern. 






Lustig allerdings sind die Reaktionen, die der Film nach seiner Kinopremiere auslöste. Aufgebrachte Eltern protestierten vor den Lichtspielhäusern und forderten lauthals die Absetzung dieses Werte zerstörenden Machwerks, was sie auch tatsächlich erfolgreich durchsetzen konnten. Selbst Kritikerpontifex Roger Ebert ließ keine Gelegenheit aus, den Streifen aufs Übelste zu verdammen. Dass aber vier Jahre zuvor sogar zwei Werke gänzlich protestlos in die Kinos kamen, die Morde eines als Weihnachtsmann gekleideten Psychopathen thematisierten (nämlich „Christmas Evil“ und „To All a Good Night“), schienen die Herrschaften vergessen zu haben. Das Pseudo-Remake von 2012 (siehe rechts) hat außer eines mordenden Weihnachtsmannes absolut nichts 

mit dem ´84 ´Night zu tun, weiß aber durchaus zu gefallen, da er auf (ungewollte) Albernheiten zu verzichten weiß und eine konsequente Härte an den (Weihnachts-) Tag legt.


Was bleibt ist ein wirklich mieser Slasher. Doch wer glaubt dies Niveau ließe sich nicht unterbieten, der braucht sich nur „Silent Night, Deadly Night 2“ zu Gemüte zu führen. Oder vielleicht besser auch nicht. 

AUTOR: bob der werfrosch

Ne, oder? Doch.

Copyright: TriStar Pictures





Montag, 27. Januar 2014

#004 ONE-EYED MONSTER

ONE-EYED MONSTER 2008 






Es müssen nicht immer Vampire, Zombies oder maskierte Wahnsinnige sein! In der absurden Welt des Horrorfilms kann so ziemlich alles zur rücksichtlosen Killermaschine mutieren. Eine kleine Kostprobe? Wir hatten mordende Rucksäcke, psychopathische Kondome, bestialische Rasenmäher, barbarische Tomaten, wildgewordene Aufzüge, grausame Häslein, mordgierige Autos und Motorräder, besessene Stehlampen, meuchelnde Kühlschränke und ähnlich abstruses Zeug. Normalsterbliche unter den Filmschauenden dürften sicherlich jetzt schon heftig mit dem Kopf geschüttelt haben. Für die wäre an dieser Stelle ratsam, das Lesen dieser Rezension abrupt zu beenden. Denn was der junge Regisseur Adam Fields mit „Porn Horror Movie“ (so der alternative Titel) auf Zelluloid gebannt hat, wird gewiss nur Leute ansprechen, die bei Trash nicht an Hausmüll denken. 

Ron "The Hedgehog" Jeremy!

Ron Jeremy, der Chuck Norris der Rammlerbranche, fährt mit weiteren Kollegen aus demselben Geschäftsfeld in eine abgelegene Waldhütte um einen, naja Pornofilm zu drehen. Während einer Drehpause gönnt sich die Koryphäe des Schmuddelfilms [über 1700 Auftritte!] etwas frische Luft, wobei er von einem vorbei fliegendem Blitzdings [!] getroffen wird. Bei der Fortsetzung des Drehs geschieht die Tragödie: Ron Jeremy stirbt. Doch der Crew bleibt keine Zeit zum Trauern, da plötzlich jedes einzelne Mitglied [nein, das Wortspiel mit „Glied“ bleibt jetzt aus] in perakuter Lebensgefahr schwebt. Rons Herz mag zwar aufgehört haben zu schlagen, dafür hat sein Gemächt in bester Manier von Carpenters „The Thing“ ein mörderisches Eigenleben entwickelt. Das einzige Ziel des dauererigierten Assassinen: Tod und Verderben! Kann der einsame Vietnamveteran, der zurückgezogen in den Wäldern lebt, und der es schon einmal mit zombifizierten Begattungsorganen zu tun hatte, helfen? Wer wird überleben und was wird von ihnen übrig bleiben? 






Einzelne Körperteile haben schon des öfteren für Horror gesorgt. Sehr beliebt sind natürlich – weil doch am geeignetsten – die Hände [siehe dazu u.a. die zweite Geschichte im Episodenhorror „Quicksilver Highway“, „Der Aufstand der Hände“, die idiotische Horrorkomödie „Die Killerhand“ oder Oliver Stones Semi-Klassiker „Die Hand“]. Aber was soll man von einem Film erwarten, der den Phallus einer Bumsfilmlegende zum Killer werden lässt? Die notorischen Spaßverweigerer aus dem ersten Absatz dieser Kritik würden enorme Schwierigkeiten haben, dem bunten Treiben tatsächlich über 84 Minuten ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Aber für die ist dieser Film auch keineswegs gemacht. Für Fans des erzsympathischen Stechers und „sonderbarer“ Filmkost schon eher. Auch wenn diese leider nicht überzeugt werden können. 



Das große Problem des Films ist offensichtlich das Budget. Viele talentierte Filmemacher haben schon bewiesen, dass das Fehlen eines großen Etats keineswegs ein Manko sein muss. Man denke nur an die [jungen] Raimis und Jacksons. Dem ersten „Genital-Slasher“ hingegen sieht man in jeder Einstellung an, das hier mehr wirklich mehr gewesen wäre. Der Sound und die Beleuchtung sind mies, die Effekte nicht erwähnenswert, der Rest des Darstellerensembles sehr darum bemüht, bloß nicht einen Funken Talent durchsickern zu lassen. Die üblichen Symptome eines B-Movies eben. Und leider gibt es die Kardinalfrage betreffend – wie sieht der Killer aus und sind seine Exekutionen unterhaltsam? – wenig befriedigendes zu vermelden. 




Wenn man guten Willens ist, könnte man behaupten, Herr Fields habe sich den großen Ridley Scott zum Vorbild genommen, indem er das „Monster“ erst ziemlich spät zeigt. Dass das gewiss nicht so ist, sondern augenscheinlich eine Geldfrage, dürfte spätestens klar werden, wenn das Ungetüm zum ersten Mal in voller Größe vor die Linse tritt. Das trifft des Weiteren auch auf die Morde des Lustknochens zu. Ein Loch im Schädel nach dem Oralverkehr und ein zweigeteilter Körper sind das Maximum des Splatteranteils, der aber auch nicht die wichtigste Komponente des Films ist. Da der Film keineswegs ernst genommen werden kann [und glücklicherweise auch von den Machern so nicht angedacht ist], ist es sicherlich nicht verkehrt zu behaupten, das [mehr] absurde Komik dem Film gut getan hätte. Immerhin läuft hier ein frankensteinesker Penis herum und mordet, verdammt! 





Das Witzigste an der ganzen Angelegenheit ist eigentlich die Posterserie zum Film, in der Motive von Klassikern nachgeahmt werden, so etwa „E.T.“, „Der Exorzist“ oder eben Scotts „Alien“ – (siehe Bilder). Und doch bleibt der im Original weit besser „One Eyed Monster“ betitelte Film, die erste größere und richtige Rolle von Porno-Ikone und Gelegenheitsschauspieler Ron Jeremy [u.a. „Boondock Saints“ oder „Crank - High Voltage“], leider nur der halbe Spaß, der er hätte werden können. Schade. 


AUTOR: bob der werfrosch


Im Würgegriff des Wichxers!


Freitag, 24. Januar 2014

#003 SOLOMON KANE

 SOLOMON KANE 2009 




Erwähnt man den Namen Robert E. Howard, so dürften ihn die meisten Kundigen augenblicklich mit Conan dem Cimmerier – besonders nach den zwei Kinofilmen mit Vorzeige-Barbar Arnold Schwarzenegger – in Verbindung bringen. Doch Howards Repertoire beinhaltet neben dem Muskelprotz aus der Eisenzeit noch weitere illustre Gestalten, denen ein Ausflug in die Filmwelt vergönnt ward. Darunter findet sich Kull von Atlantis, an dessen praktisch fürs RTL 2-Nachtprogramm geschaffene Verfilmung mit Kevin ´Das ist kein Jim Beam´ Sorbo man sich aus guten Gründen aber lieber nicht erinnern will. Oder, um in erfreulichere Sphären vorzustoßen, Solomon Kane – seines Zeichens puritanischer Jäger von Hexen, Dämonen und sonstigem Gesindel aus der Hölle. Nachdem seine Figur bereits erfolgreich für eine Comicreihe adaptiert wurde, bekommt er nun ebenfalls ein filmisches Denkmal spendiert. Und was für eins! 

Medieval badass!


Anno 1600 erreicht Solomon Kane (gab den Marc Anthony in der TV-Serie „Rome“: James Purefoy), der unter der Union Jack-Flagge die Weltmeere unsicher macht, die nordafrikanische Küste. Dort führt er seine Männer gegen die Festung spanischer Konquistadoren, die besonders gegen seine vollendete Schwertführung keine Chance haben. Als der grausame Kapitän und seine verbliebenen Getreuen den atemberaubenden Thronsaal der Feste erreichen, wird die Meute von grausamen Spiegeldämonen derart dezimiert, dass nur Kane übrig bleibt. Der stößt anschließend zwar auf einen reichhaltigen Goldschatz, allerdings auch auf dessen Bewacher, den Seelenmäher des Teufels höchstpersönlich. Von ihm erfährt der unerschrockene Kämpfer, dass ihn sein blutiges Treiben direkt in die Fänge des Höllenfürsten getrieben habe. Als Kane mit knapper Not entkommt, wird ihm die grausame Konsequenz seines gottlosen Handelns bewusst.

Ein Jahr später hat das Gebetbuch das Schwert ersetzt und Kane fristet ein simples Dasein als Mönch in einem englischen Kloster. Trotz seiner demütigen Bemühungen wird dem reuigen Sünder die Möglichkeit des Seelenheils jedoch abgesprochen und der ehemalige Massenmörder muss den Orden verlassen. Er macht sich auf den Weg nach Hause, zu seinem Vater Josiah (Max von Sydow, „Flash Gordon“), der ihn nach dem verschuldeten Tod des Bruders verstieß. Als Kane von herumirrenden Plünderern niedergeschlagen wird, flicken ihn der herzensgute William Crowthorn (immer gern gesehen: Pete Postlethwaite, „Die üblichen Verdächtigen“) und seine fromme Wanderfamilie wieder zusammen. In ihrer Mitte wird er ohne Blick auf seine Vergangenheit willkommen geheißen.

Medieval Leatherface!


Die Idylle wird jäh unterbrochen, als die Gruppe von einem merkwürdig maskierten Hünen und seiner dämonisch aussehenden Meute attackiert wird. William und seine Söhne werden getötet, Tochter Meredith (Rachel Hurd-Wood, „Dorian Gray“) verschleppt. Bevor William stirbt, verspricht ihm Kane die Entführte heil zurückzubringen. Sollte ihm dies gelingen, so verheißt der Todgeweihte, soll auch die Seele des Retters Frieden finden können. Doch Kane weiß auch, dass die Befreiung des jungen Mädchens nicht gewaltlos vonstatten gehen kann. Doch ist er bereit jeden Preis zu zahlen, um ihr unschuldiges Leben zu retten.

Auch wenn eine gewisse äußerliche Ähnlichkeit zu Hugh Jackmans „Van Helsing“ nicht von der Hand gewiesen werden kann, so orientiert sich jener Solomon Kane doch bemerkenswert nah an Howards Romanen und der späteren Comicvorlage. Überhaupt ist sein erstes Filmabenteuer, dass der Vorlage durchweg die Treue hält, ein erfreulich düsteres Stück Kino geworden. Das Jahr 1600 ist nun einmal finster, neben der Bestie Mensch, die für ein Stück Brot töten würde, lauern da draußen in der grau-dreckigen Welt auch viele übernatürliche Gefahren. Solche wie Hexen, besessene Berserker, unterirdisch lebende Monster-Kannibalen oder eben Dämonen, die ihre Opfer in Spiegel hinein zu zerren pflegen.

Medieval Sith-Nazgûl! 

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James Purefoy, der wie eine Mischung aus Thomas Jane und Hugh Jackman anmutet, meistert in seiner ersten Hauptrolle den Wandel vom kaltherzigen Killer zum reuigen Menschenfreund und zurück zum (nun aber rechtschaffenden) Killer mit Bravour. Der Leidensweg steht ihm förmlich ins Gesicht geschrieben und mit ihm die Ausweglosigkeit, mit der er den erneuten Griff zum Schwert frei von Mordlust und egoistischer Motivation vollzieht. Das Drehbuch, von Regisseur Michael J. Basset aus Howards Vorgaben verfasst, kann und will das Rad nicht neu erfinden. Die Inszenierung, die Art und Weise, wie eine filmische Geschichte erzählt wird, lässt den Film aber auch diesmal den Nerv des Zuschauers treffen.

Dazu bei tragen meist bis in die kleinste Nebenrolle vortrefflich besetzte Figuren. Hier ist es besonders Pete Postlethwaite, sonst gerne schurkisch besetzt, der als fürsorgliches Familienoberhaupt der Crowthorns Eindruck macht – übrigens stark gestützt von Alice Kriege („Silent Hill“). Erwähnenswert ist aber auch die Effektarbeit, die nie zu reinem Selbstzweck mutiert. Die hier und da aus dem Rechner stammenden Effekte sind für eine Produktion dieser Größe (Budget: 40 Millionen US-Dollar) absolut ausreichend und wirken nie deplatziert. Einzig das immer beliebtere CGI-Blut hätte man sich bei den teils ruppigen Kampfhandlungen eigentlich sparen können.

In der Comic Variante durfte der Hexen- und Dämonenjäger aus dem  auch schon mal Abenteuer im hyborischen Zeitalter absolvieren. Unten: Eine Sammlung Howard´scher Solomon Kane Erzählungen.



Kanes erstes Kinoabenteuer dürfte so ziemlich alle Fraktionen begeistern können: Fans der Romanvorlage und ebenso die der Comicvariante. Letzen Endes, und gerade das ist das Bemerkenswerte, aber auch die, die bisher mit dem Kämpfer im Quäkeroutfit noch gar nichts anzufangen wussten. An dieser Stelle sollte man den mittlerweile typischen Gedankengang der Produzenten Hollywoods, jedes noch so beliebige Filmthema zum Franchise aufzublasen, ausnahmsweise begrüßen. Nach diesem furiosen Start darf es mit „Solomon Kane“ gerne weitergehen!

AUTOR: roy gongo

Der Express in die Hölle!




(Bewegte) Bilder Copyright: Davis Films, Czech-Anglo Productions, 
Wandering Star Pictures, Marvel Comics